Wissenschaft: Buch fasst Forschungsstand zu Besiedlung, Monumenten und archäologischen Ausgrabungen zusammen

Neue Erkenntnisse zu Heiligenberg

Von unserem Mitarbeiter Michael Abschlag

"Heidelberg wird von zwei Bergen geprägt: Dem Königsstuhl im Süden und dem Heiligenberg im Norden", erklärt Bert Burger von der Schutzgemeinschaft Heiligenberg - der Heiligenberg habe aber die wesentlich ältere Geschichte. Nun hat das baden-württembergische Landesamt für Denkmalpflege ein Buch herausgegeben, das unter dem Titel "Forschungen zum Heiligenberg bei Heidelberg. Forschungsgeschichte, Fundmaterial, Restaurierung" in sieben Beiträgen die Erkenntnisse zu archäologischen Funden und zur Erforschung des Berges bündelt.

Tatsächlich wurde "Heidelbergs Schicksalsberg", wie Burger ihn nennt, von keltischer Zeit bis ins 20. Jahrhundert hinein immer wieder aufs neue von der Umwelt geprägt. Vermutlich wurde der Heiligenberg sogar schon in prähistorischer Zeit besiedelt. Sicher ist, dass es hier eine jungsteinzeitliche Siedlung gab. Und bereits im 1. Jahrtausend errichteten Kelten hier eine Siedlung und machten den Berg zum politischen und religiösen Zentrum der Region - während "am Neckarufer, in der heutigen Altstadt, allenfalls ein paar Fischer lebten", so Burger. Noch heute erinnern Reste einer Ringwallanlage an die Kelten.

In römischer Zeit löste dann Lopodunum (das heutige Ladenburg) den Heiligenberg als lokales Machtzentrum ab. Allerdings siedelten auch die Römer auf dem Heiligenberg - nachdem sie "alles eingeebnet hatten", wie Dr. Peter Marzolff vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Uni Heidelberg erklärte. Sie errichteten daraufhin einen heiligen Bezirk mit einer Kultstätte des "Mercurius Cimbrianus" - einer Verbindung von römischem Merkur und germanischem Wotan, wie sie für die Übernahme fremder Kulte in die eigene Religion durch die Römer typisch war.

Im Mittelalter erhielt der Heiligenberg dann seinen Namen. Im 9. Jahrhundert gründeten Benediktinermönche der Abtei Lorsch auf den Ruinen des römischen Tempels das Michaelskloster. Auch von ihm sind heute nur noch Ruinen erhalten. Letzter großer Baukomplex wurde die Thingstätte, die in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten erbaut wurde. "Die haben damals antike und mittelalterliche Funde zusammen mit der ausgehobenen Erde achtlos beiseite geworfen", sagt Burger. Im Krieg verloren die Nazis schnell das Interesse an der Anlage.

Nach dem Krieg begann man, zunächst von den Amerikanern unterstützt, die Geschichte des Heiligenbergs verstärkt zu erforschen. Systematisch wurden Grabungen gemacht und Archive durchsucht. Auch begann man, alte Funde zu restaurieren - mit umstrittenen Methoden. So wurde das Michaelskloster, um es zu stabilisieren, in den 1960er Jahren mit einem Betonkern versehen, was heute als kontraproduktiv gesehen wird.

Seit den 1970er Jahren arbeiteten sich unterschiedliche Forscher-Generationen an dem Berg ab. "Wir haben beispielsweise herausgefunden, dass das Michaelskloster, anders als vermutet, noch bis weit in die Neuzeit hinein bewohnt wurde", sagt Dr. Dirk Krausse vom Landesamt für Denkmalpflege. Das neue Buch bündelt nun alle Erkenntnisse.

© Mannheimer Morgen, Montag, 18. 2. 2013

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