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Der Hazecha-Stein vom Stephanskloster

Als die Stadt Heidelberg im Jahre 1932 auf dem Heiligenberg beim Stephanskloster Notstandsarbeiten durchführte, fand sich im westlichen Querschiff eine etwa 84 mal 230 cm große zerbrochene Sandsteinplatte, ein Grabstein mit Inschrift. Man hatte davon schon länger gewußt, aber nicht geglaubt, den Stein wiederzufinden. Im Jahr 1550 war die Inschrift noch vollständig gewesen: der Chronist Georg Widmann aus Schwäbisch Hall hat uns den Text (mit falschen Lesungen) überliefert.

Die Inschrift berichtet, daß hier Hazecha, Gemahlin oder Tochter des Ricfrid, begraben wurde. Sie hatte ein ansehnliches Vermögen zur Ausstattung des Klosters gestiftet. Die repräsentative Gedenkinschrift in romanischen Majuskeln war wohl in der Nähe des Grabes in die Wand eingelassen, wenn sie nicht direkt über dem Grab lag. Die Platte diente nicht nur der Grabbezeugung, sie dokumentierte auch den Rechtsanspruch des Klosters auf die Schenkung der Hazecha und sicherte der Schenkenden die memoria (Seelgerät), das alljährlich am Todestag von den Mönchen zu begehende Totengedächtnis.

Das Stephanskloster war 1094 durch Abt Anshelm von Lorsch auf der südlichen Kuppe des Heiligenbergs gegründet worden. Im selben Jahr wird in einer Lorscher Urkunde ein miles Rifridus als Zeuge genannt. Dieser dürfte mit dem Ricfrid unserer Inschrift identisch sein. So können wir den Fund ungefähr datieren. Wolfgang von Moers-Messmer vermutet, daß Ricfrid mit dem ersten Kreuzzug ins Heilige Land gezogen und nicht zurückgekehrt ist.

Heute liegt an der Stelle des gefundenen Steins im Stephanskloster eine schlechte Kopie mit der (wahrscheinlich fehlerhaften) Inschrift:

HAZECHA RIFRIDI DEPOSCENS HIC SEPELIRI

PREDII QUARTAM SUI CESSIT HUIC DOMUI

HIC CONSISTENTES EIUS OBITUM RECOLENTES

SINT UT PERPETUO VIVAT ET IPSA DEO

VIII KL DECEMBRIS OBIIT HAZECHA

„Hazecha, die Witwe (Tochter?) des Ricfrid, wünschte hier begraben zu werden.

Alles, was sie besaß, schenkte sie diesem Hause.

Die hier Weilenden mögen ihres Hinganges gedenken,

auf daß sie beim ewigen Gotte lebe.

Hazecha starb am 23. November.“

Das Todesjahr ist nicht angegeben, weil es für das mittelalterliche Totengedenken ohne Bedeutung war. Hazecha muß nach 1094 gestorben sein, der Stein dürfte aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts stammen. Da er nicht vollständig erhalten ist, wurden Teile der Inschrift ergänzt. Dadurch entstanden unsichere Lesarten.

Die Grabplatte trägt die älteste uns bekannte nachantike Inschrift auf Heidelberger Boden, älter als die Ersterwähnung unserer Stadt. Die Kunsthistorikerin Dr. Anneliese Seeliger-Zeiss von der Akademie der Wissenschaften bezeichnete sie als das absolut unersetzliche Spitzenstück des Heidelberger Bestandes. Der Historiker Harald Drös schrieb 1992: „Unsere Hazecha-Platte steht an der Spitze der inschriftlichen Überlieferung in Baden-Württemberg. Umso bedauerlicher ist der Verlust des ersten Fragments, das den Namen der Hazecha trägt.“

1932 wurde der Stein zum Kurpfälzischen Museum gebracht. Lange Zeit lagerte die Platte im Lapidarium unter der Kunstvereins-Baracke. In den achtziger Jahren des 20 Jahrhunderts wurde sie auf den städtischen Bauhof am Oftersheimer Weg verbracht, wo sie, von Unkraut überwuchert, im Regen lag. Dort kam offenbar ein weiteres großes Stück abhanden. Seit Eröffnung der stadtgeschichtlichen Abteilung des Kurpfälzischen Museums am 22. September 1996 sind die Reste der Platte neben dem Zugang zur Archäologischen Abteilung ausgestellt.


Andere (offensichtlich ebenfalls falsche) Lesart der Inschrift, nach Maximilian Huffschmid, Zur Geschichte der Kirchen und Klöster auf dem Heiligenberg, in: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg und der rheinischen Pfalz, 8, Heidelberg 1910, S. 172f.:

HAZECK RICFRIDI POSCENS HIC SEPELIRI

PRAEDII EQUESTRI CESSIT HUIC DOMUI

HIC CONSIDENTES EIUS OBITUM RECOLENTES

SINT UT PERENNO VIVAT ET IPSE DEO

VIII. CAL. DECEMBRIS OBIIT GAZECA

„Hazecha, (Witwe ?) des Ritters Ricfrid, welcher [!] seinem Wunsche entsprechend hier beerdigt wurde, trat dessen Grundbesitz diesem Gotteshause ab. Die Klosterinsassen mögen, damit Gott ihn [!] selbst des ewigen Lebens teilhaftig werden lasse, nicht vergessen, für den [!] Verstorbenen Fürbitte einzulegen. Am 24. November starb Hazecha.“

Noch eine Lesart (mit Abbildung; nach: http://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/hd/heiligenb/hazecha.htm):

HAZECH[A RIFRIDI S]E POSCENS HIC [S]EPELIRI
PREDII Q[VEQVE SV]I CESSIT HVIC DOMVI
HIC CONSIS[TE]NTES EIVS OBITVM RECOLENTES
SINT VT PERP[ET]VO VIVAT ET IPS[A DEO]
VIIII K(A)L(ENDAS) DECEMBRIS OBIIT H[AZECHA]

„Hazecha, Rifrids Witwe /Tochter, wünschte hier begraben zu werden. Alles, was sie besaß, schenkte sie diesem Hause. Alle, die hier weilen, mögen ihres Hinscheidens eingedenk sein, auf daß sie beim ewigen Gott lebe. Am 23. November starb Hazecha.“


Literatur:

Harald Drös, Totengedenken in Stein [über den Hazecha-Stein], in: Unverrückbar für alle Zeiten. Tausendjährige Schriftzeugnisse in Baden-Württemberg, hg. vom Generallandesarchiv Karlsruhe. Karlsruhe 1992, S. 136

Maximilian Huffschmid, Zur Geschichte der Kirchen und Klöster auf dem Heiligenberg, in: Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg und der rheinischen Pfalz, 8?, Heidelberg 1910?, S. 156-174

Wolfgang von Moers-Messmer, Der Heiligenberg bei Heidelberg, seine Geschichte und seine Ruinen. Heidelberg 1964 (Anlage zur "Ruperto Carola", Jg. 16, Bd. 36)  [Dek Moer]

Wolfgang von Moers-Messmer, Der Heiligenberg bei Heidelberg. 21974

Wolfgang von Moers-Messmer, Der Heiligenberg bei Heidelberg: seine Geschichte und seine Ruinen. 3. Aufl. 1987

Renate Neumüllers-Klauser (Bearb.), Die Inschriften der Stadt und des Landkreises Heidelberg. (Die deutschen Inschriften, 12. Heidelberger Reihe, 4) Stuttgart 1970, Nr. 1a

Anneliese Seeliger-Zeiss, Stadt vernachlässigt älteste Kulturdenkmäler. Jubelfeier ohne Lapidarium? - Grabplatte eines Kindes verschwunden, in: Rhein-Neckar-Zeitung, 12. 8. 1995

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