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Die Kelten

Von der Existenz eines „Kelten“ (griech. „keltoi“, lat. „Celtae“) genannten Volkes wissen wir aus der antiken Literatur. Ob alle diese Leute tatsächlich „Kelten“ waren, ist nicht sicher. Ab etwa 800 v. Chr. hatte sich in Mitteleuropa eine Zivilisation etabliert, die sich von den vorangegangenen Kulturen durch ihre Objekte und ihre Traditionen unterschied, vor allem durch den Gebrauch des Werkstoffes Eisen. Es gibt nur wenige Hinweise darauf, daß sich diese Menschen selbst als „Kelten“ bezeichneten.

Zahlreiche europäische Gewässer- und Ortsnamen sprechen für eine weite Verbreitung festlandkeltischer Stämme. Der griechische Historiograph Hekataios von Milet erwähnt sie um 500 v. Chr. zum ersten Mal („Massalia, eine Stadt Liguriens nahe dem Land der Kelten...“). Mit ihrem Namen verbanden die antiken Autoren keine präzise Vorstellung einer kulturellen oder ethnischen Identität. „Kelten“ und „Keltenland“ waren für sie Sammelbegriffe, unter denen sie die im Westen und Norden Europas lebenden Völkerstämme („Barbaren“) zusammenfaßten. Noch lange zählten auch die Germanen dazu. Erst Caius Iulius Caesar („De bello gallico“) konnte im Zuge seiner Eroberung Galliens sichere Kenntnisse zu einer ethnischen Unterscheidung gewinnen.

Die bei den antiken Autoren gemachten Ortsangaben und die zeitliche Übereinstimmung führten dazu, diese Menschen mit der materiellen Kultur Mitteleuropas der Zeit zwischen 450 v. Chr. und der Zeitenwende (=späte Eisenzeit), der sogenannten Latène-Kultur, zu identifizieren. Da diese offensichtlich aus der Hallstattkultur (etwa 800-450 v. Chr.=frühe Eisenzeit) hervorging, sieht die Forschung auch die Hallstattkultur als „keltisch“ an. Die Stammesverbände, die in den letzten fünf Jahrhunderten vor Christus in Mitteleuropa lebten, hatten ähnliche Lebensweisen, religiöse Vorstellungen und vielleicht auch Sprachen. Manche Archäologen bezeichnen diese einheitlichen, über weite Teile Europas verbreiteten Erscheinungen heute als „keltische Kultur“. Die „keltischen“ Bevölkerungsgruppen haben jedoch zu keiner Zeit ein überregionales Bewußtsein ethnischer Gemeinsamkeit entwickelt. Sie verstanden sich nie als ein Volk wie z. B. die Griechen. Die Kelten waren kein Volk, sie waren Völker.

Die Kelten haben fast keine eigenen schriftlichen Zeugnisse hinterlassen. Wir sind auf die Beschreibungen der antiken Autoren und auf die archäologischen Funde angewiesen. Die Verbreitung der Kelten in Europa reichte von der iberischen Halbinsel (Kelt-Iberer) über Frankreich (Gallier), die britischen Inseln (Wales, Schottland, Irland), das nördliche Alpen- und Alpenvorland, bis nach Norditalien (Lepontier), den mittleren Donaubereich und in die heutige Türkei (Galater). Reste (neu-)keltischer Kultur und Sprache haben sich im Bretonischen der Bretagne, dem Kymrischen in Wales oder dem Gälischen in Irland und Schottland erhalten. Von den Kelten erhaltene, heute noch sichtbare Bauwerke sind Grabhügel, ringförmige Wallanlagen und Mauerreste der Keltenstädte (Oppida), sog. Viereckschanzen und umwehrte Herrenhöfe.

Die Kelten hatten das Eisen, das der „Eisenzeit“ ihren Namen gab. Die Kelten waren die ersten, die die Kunst, das Eisen zu schmieden und zu Werkzeugen und Waffen zu verarbeiteten, zur Perfektion entwickelten. Aus Steinen und Lehm bauten sie Öfen, die Hitze der Feuer steigerten sie durch Blasebälge aus Tierhäuten und Düsen aus Lehm. Zu Beginn der Eisengewinnung war dieses Metall so wertvoll, daß man es für Schmuck (z.B. Armreifen) verwendete. Erst später fertigte man eiserne Waffen und Geräte des alltäglichen Gebrauchs (Werkzeuge).

Im heutigen Heidelberger Stadtgebiet tauchten um 600 v. Chr. Gruppen von Menschen auf, die wir zum keltischen Kulturkreis zählen. Sie besetzten und befestigten den Heiligenberg. Um 480-250 v. Chr. hatte die Höhensiedlung ihre größte Ausdehnung (ca. 53 Hektar, beide Kuppen bewohnt, terrassierte Steilhänge, doppelter Ringwall, möglicherweise Eisenverhüttung und -verarbeitung). Streng genommen sind es keine Ringwälle, sondern Trockenmauern, durch Holzgerüst gestützt, sogenannte Pfostenschlitzmauern (oberer Wall: 2,05 km Länge, unterer Wall: 3,01 km Länge, Abstand zwischen den Wällen: 110-180 m, N-S-Ausdehung: 1,2 km). 1964 wurde etwa 150 m nordöstlich des Michaelsklosters in ca. 50 cm Tiefe ein keltisches Depot mit Gerätschaften (Radreifen, Pflugschar, Sensenblätter) gefunden. Über Gesellschaftsordnung, Religion und Sprache dieser Menschen wissen wir nichts.

Caesar bezeichnet die befestigten stadtartigen Siedlungen der linksrheinischen (gallischen) Stämme, die er während des Gallischen Krieges kennenlernte, als „oppida“ (Singular: „oppidum“). Spätestens mit der römischen Eroberung der gallischen Gebiete fand die Oppida-Zivilisation ein Ende. Die linksrheinischen (gallischen) Oppida wurden mit römischer Infrastruktur überzogen, die rechtsrheinischen Oppida waren bei Ankunft der Römer vermutlich längst verlassen. So wurde der Heiligenberg schon um 250 v. Chr. als Siedlungsplatz aufgegeben.

„Keltenfürst“ ist ein irreführend verwendeter Begriff für Tote, die in reich ausgestatteten Gräber vor allem der Hallstattzeit bestattet sind. Der Begriff überträgt hochmittelalterliche Sozialstrukturen wie Feudalherrschaft, Gefolgschaftswesen und dynastische Erbfolge auf vorgeschichtliche Verhältnisse, welche aus den archäologischen Funden und Befunden nicht abzulesen sind. Im Zusammenhang mit dem Heiligenberg bei Heidelberg ist bisweilen von einem „Keltenfürsten“ die Rede, auf den es keine Hinweise gibt und von dem bisher keine Spuren gefunden wurden. Bis heute bleibt eine systematische archäologische Grabung auf dem Heiligenberg in Hinblick auf die Keltenzeit ein Desiderat. Auch auf dem Heidenknörzel, einem Höhenrücken östlich des Heiligenberg, (440 Meter über NN) wurde nicht systematisch gegraben.

" In Analogie zu den Verhältnissen des Etrurien der orientalisierenden Zeit sei die These formuliert, dass die eisenzeitlichen Fürstengräber nördlich der Alpen nicht auf eine einzelne Person an der Spitze der Gesellschaftspyramide weisen, sondern eine breiter verteilte Macht belegen. Fürstengräber sind dabei Anzeichen für Zentralisierungsprozesse, entsprechende Gräber werden aber nicht mehr angelegt, sobald es tatsächlich zur Ausbildung städtischer Strukturen kommt." http://www.fuerstensitze.de/1916_Fuerstengraeber.html

In Sichtweite des Heiligenbergs liegt die sog. Heidenmauer bei Bad Dürkheim, d. h. von dort kann man den Heiligenberg und vom Heiligenberg könnte man (wenn die Bewaldung nicht wäre) die Heidenmauer sehen. Dort war um 530-480 v. Chr. eine stadtähnliche Siedlung, zu der möglicherweise Handelsbeziehungen (Salz) bestanden.

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