Schutzgemeinschaft Heiligenberg und Handschuhsheimer Geschichtswerkstatt e.V.

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Die Handschuhsheimer Hasenschläger

Ein Bild aus der „guten alten Zeit“

Wer waren die Handschuhsheimer Hasenschläger? Ein Foto aus der Zeit der Jahrhundertwende zeigt eine illustre Gesellschaft soignierter Herren, die eine besondere Fähigkeit gemein hatten: Sie pflegten in ihrer Freizeit durch die heimatlichen Fluren zu schweifen und, wenn sich die Gelegenheit bot, arme Häslein mit einem vorsorglich mitgeführten „Bounestecke“ ins Jenseits zu befördern. Anschließend gab es dann Braten. Natürlich war das Wilderei, aber zum Verdruß der Jagdherren waren die Handschuhsheimer Hasenschläger so clever, daß sie nur selten erwischt wurden. Das Gasthaus zur Krone in der Handschuhsheimer Landstraße, das es längst nicht mehr gibt, war ihr Clublokal, und hier entstand jenes Foto. Ludwig Haßlinger fand es eines Tages mit anderen historischen Schätzen vor seiner Haustür.

In der Handschuhsheimer Geschichtswerkstatt erzählte er, was er von den Hasenschlägern weiß: Durchaus kein Juxverein, sondern sonst unbescholtene Mannsbilder hatten sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, um den Handschuhsheimer Jagdpächtern unaufgefordert „Hilfe dabei zu leisten, der Hasenplage Herr zu werden“. Ohne Vorstand, ohne Mitgliedsbeitrag und ohne Eintrag ins Vereinsregister gingen sie ihrer blutigen Tätigkeit nach. Auch legten sie sich schöne Uznamen zu wie „Bessem“, „Entenarsch“ oder „der Fromme“. Jener war gar Kirchengemeinderat und soll nach der Überlieferung laut psalmodierend zu Feld gezogen sein. Irgendwann hatten die honorigen Hasenschläger dennoch vom Hasenfleisch die Nase voll und gingen auf Rehe. Ein Kinderwagen für Drillinge mußte herhalten, um den glücklich erlegten kapitalen Rehbock durchs Dorf zu kutschieren.

Einmal trieben sie es so weit, ganz offiziell eine Treibjagd zu veranstalten. Auch beim berühmten „Sturm auf den Schriesheimer Hof“ waren die Hasenschläger dabei. So mancher Jagdgenosse mußte aber doch für seine Wilderei einsitzen, und im „Faulen Pelz“ sollen noch Graffiti an die Namen ehrbarer Handschuhsheimer Familien erinnern. Im Kittchen verfaßten die Gesellen auch ein „Nationallied der Hasenschläger“. Davon konnte Ludwig Haßlinger nach harter Recherche sämtliche Strophen auftreiben. Der erste Weltkrieg brachte mit dem Ende der sogenannten guten alten Zeit auch das Ende jener ehrenwerten Gesellschaft. Und heute trifft man Hasen nur noch selten in Handschuhsheim an.

(nach Ludwig Haßlinger)